Für Sie gelesen und auf den Punkt gebracht März 2004
Ein warmer Stall ist
das halbe Futter Uwe Ringleb "Ein warmer Stall ist das halbe Futter", so das
Zitat aus einer Studie aus den 20er-Jahren, in der festgestellt wurde,
dass ein warmer Stall einiges an Futter für die Kühe einspart. Ein
Zitat, das prinzipiell auch für den Energieverbrauch unsere Häuser
zutrifft. Energiesparend? Niedrigenergie?
Passivhaus? Ja, was denn nun!? Viele Begriffe die den Laien verwirren, aber hinter denen nur
eins steht: Die Bemühungen, den Energieverbrauch für die Beheizung
unserer Häuser zu reduzieren. Um unserem Denken und Tun die richtige
Richtung zu geben, müssen wir uns merken: Wir brauchen keine Energie um
unsere Stuben aufzuheizen, sondern wir brauchen sie, um die Verluste durch
die Gebäudehülle auszugleichen. Und das heißt ganz einfach Wärmedämmung.
Die Form des Gebäudes ist dabei nicht ausschlaggebend. Niedrigenergiehäuser müssen nicht wie Schuhschachteln mit Pultdächern aussehen. Allerdings lässt sich ein hoher Wärmedämm-Standard kostengünstiger mit einer unkomplizierten Gebäudeform realisieren. Das gilt für die Massiv-Bauweise mit Ziegeln ebenso wie für den Bau von Holzhäusern. Wo wollten wir hin? Der durchschnittliche Jahreswärmeverbrauch im Südtiroler
Gebäudebestand liegt bei über 200 kWh pro m² beheizter Wohnfläche und
Jahr. (Das entspricht ca. 20 Liter Heizöl!) und bei vielen Neubauten nach
den üblichen Berechnungen (10er-Gesetz) liegt dieser Wert leider immer
noch bei 90 kWh/m²a (9 Liter Heizöl) und höher!
Von Niedrigenergiehaus-Standard können wir sprechen, wenn der spezifische jährliche Energieverbrauch unter 70 kWh/m²a (7 Liter Heizöl) abwärts liegt. Die Grenzen sind fließend und werden durch den gewünschten oder möglichen Aufwand bestimmt. In den Südtiroler KlimaHaus-Richtlinien sind hierzu feste Werte vorgegeben. Werden sie erreicht, bekommt man eine KlimaHaus-Plakette zum Anbringen an die Hauswand und kann beim Vorliegen bestimmter Kriterien an einem Wettbewerb teilnehmen.
In manchen Gemeinden ist die Erfüllung dieser Richtlinie
bereits verbindliche Voraussetzung für die Erteilung der Baukonzession.
Kostenlose Informationen zum KlimaHaus-Programm bekommt man beim Amt für
Luft und Lärm. Ein Niedrigenergiehaus-Standard kann ohne einen besonderen Aufwand und damit Mehrkosten realisieren werden. Wichtig ist, dass die beteiligten Planer und Handwerker entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen vorweisen können. Sonne und Wärmedämm-Standard Ein sonniger Standort und eine optimale Ausrichtung des Gebäudes
sind immer gut. Da aber große Fensterflächen kein maßgebliches
Kriterium für ein Niedrigenergiehaus sind, sind die solaren Wärmegewinne
durch die Fenster nicht überzubewerten.
Die Wärmeschutzqualität des Fensters steht im Vordergrund,
erst dann kommen Orientierung und Größe. Der Jahresenergiebedarf eines
Niedrigenergiehauses im Ahrntal würde sich auch mit den Sonnendaten von
Meran nicht deutlich reduzieren. Besonders ist bei Wintergärten
aufzupassen. Falsch geplant, können sie zu wahren
"Energieschleudern" werden. Hatten Isolierglas-Fenster Ende der 90er Jahre noch einen
U-Wert (Glas + Rahmen) von 2,60 W/m²K und höher, sind heute Fenster mit
U-Werten zwischen 1,10 – 1,40 W/m²K bereits Standard. Im Zusammenhang
mit dem Bau "normaler" Niedrigenergiehäusern besteht hier nicht
vorrangig ein Verbesserungsbedarf. Niedrigenergiehäuser zeichnen sich also vorrangig durch eine
effiziente Wärmedämmung aus. Die Wärmedämmqualität der Gebäudebauteile
wird durch den so genannten U-Wert (früher k-Wert) dargestellt. Umso
niedriger der U-Wert, umso höher ist die Wärmedämmqualität. Folgende
Tabelle zeigt unter anderem einige Anhaltswerte für den Bau von
Niedrigenergiehäusern ("NEH"):
Mit Blick auf ein preisgünstiges Bauen sollten die
Konstruktionen der Gebäudeteile unkompliziert sein und die Materialien
nach ihrem Einbauort und den Erfordernissen ausgewählt werden. Besonderer
Wert beim Planen und Bauen ist auf die Vermeidung und Reduzierung von
konstruktiven und geometrischen Wärmebrücken zu legen. Wärmebrücken
sind Bereiche in der Gebäudehülle, die sich durch einen besonders hohen
Wärmeverlust auszeichnen. Eine Hausecke wird sich schwerlich vermeiden
lassen, wollten wir keine Iglus bauen. Zerklüftete Hausfassaden, die mit
ihren "Kühlrippen" eher an einen luftgekühlten
Motorradzylinder erinnern, sollten aber tunlichst vermieden werden. Die
folgenden Bilder zeigen prinzipiell, wie zum Beispiel die Wärmebrücke
"Kellerdeckenauflage" (a) durch eine korrekte Außendämmung (b) vermieden werden kann.
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Nichts mit einem hohen
Wärmedämm-Standard haben baubiologische Aspekte zu tun.
Inwieweit sie berücksichtigt werden sollen, entscheidet der Bauherr und
letztlich die zur Verfügung stehenden Finanzmittel. In Sachen Wärmedämmfähigkeit
unterscheiden sich künstliche und natürliche Stoffe nicht sonderlich.
Wohl aber in ihrer Eignung für spezielle Anwendungen und in den deutlich
höherer Preisen für so genannte baubiologische Produkte. Für alle
handelsüblichen Dämmstoffe gilt, dass sie die zu ihrer Herstellung
verbrauchte Energie durch ihre Funktion an anderer Stelle schnell wieder
eingespart haben. Was bei künstlichen Dämmstoffen bleibt, sind die noch
nicht abschließend geklärten Fragen nach ihren negativen Auswirkung auf
die Raumluft, den Belastungen bei der Verarbeitung, ihres Bedarfs an
fossilen Rohstoffen zur Herstellung und ihrer Recyclingfähigkeit bzw. der
zukünftigen Deponiekosten. Einen informativen Überblick zum Thema Wärmedämmung und eine Hilfe zur Auswahl von Wärmedämmstoffen gibt die kostenlose Broschüre "Wärmedämmung an Gebäuden", des Amtes für Energieeinsparung. Wärmeverluste durch Lüftung Wenn die Wärmeverluste durch die massiven Gebäudeteile
verringert werden, steigen proportional die Lüftungswärmeverluste in der
Energiebilanz des Hauses. Sie ergeben sich zum einen, mehr oder weniger
kontrolliert, durch das Lüftungsverhalten der Bewohner und zum anderen,
absolut unkontrolliert, durch die vielen Gebäudeundichtigkeiten.
Entsprechend den Klimazuständen (Temperaturen, Luftdrücke, Windstärken)
sind dann auch die Verluste. Das Bild zeigt die kritischen Stellen am Gebäude.
Neben einer guten Wärmedämmung werden an die
Luftdichtigkeit eines Niedrigenergie-hauses hohe Anforderungen gestellt.
Auch bei der Wärmedämmung ist dies kein Zauberwerk. Die notwendigen
Materialien und Arbeitstechniken sind vorhanden und bekannt. Es braucht
nur wieder aufgeklärte Planer und engagierte Bauhandwerker, um diese
Anforderung an ein energieeffizientes Bauen umzusetzen. Die folgenden
Bilder zeigen beispielhaft die korrekten Ausführungen im Fensterbereich (a) und am Anschluss "Dach-Giebelwand" (b).
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Solange aber Niedrigenergiehäuser in der Südtiroler
Tagespresse bildlich unter einer gläsernen Käseglocke oder im
Einweckglas dargestellt werden, wird man sich mit einer hohen
Luftdichtigkeit schwer tun. Schauen wir über die Grenzen. In Österreich,
der Schweiz und in Deutschland werden luftdichte Neubauten immer mehr zum
Standard. Und wenn es um eine finanzielle Förderungen geht, muss die
Luftdichtigkeit von einem unabhängigen Experten sogar praktisch geprüft
und zertifiziert werden.
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Das Bild (a) zeigt eine so genannte "Blower Door" zur Prüfung der Gebäude-Luftdichtigkeit. Eingebaut in eine Außentür erzeugt sie im Gebäude zum Beispiel einen Unterdruck. Durch die Undichtigkeiten strömt die Außenluft in das Gebäude und mit Messinstrumenten (b) kann man dann leicht die Fehlerstellen lokalisieren. Kontrollierte Lüftung Sind die "natürlichen" Undichtigkeiten des Gebäudes
stark reduziert oder gänzlich eliminiert, haben die Bewohner besonders
auf eine ausreichende und energiesparende Raumlüftung zu achten. Da dies
erfahrungsgemäß nicht funktioniert, ist nach Ansicht vieler Experten ein
mechanisch erzeugter Luftwechsel erforderlich. Dabei braucht man nicht
sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Eine einfache und
preisgünstige Abluftanlage (a)
ist in den meisten Fällen ausreichend.
Die frische Außenluft wird durch exakt eingestellte Außenventile
in die Räume gezogen. Der Abluftventilator (b) ist in der Regel in einem geeigneten Bereich des Dachraums
montiert und saugt über ein Kanalsystem (c)
die verbrauchte Luft in der Küche und den Bädern (d) ab. Für das notwendige Durchströmen aller Räume sind
entsprechende Öffnungen vorzusehen. Normalerweise reichen dazu kleine
Luftspalte unter den Türen. Werden erhöhte Anforderungen an den Komfort
gestellt, sind Zu- und Abluftanlagen angebracht. Durch zwei getrennte
Kanalsysteme wird den Räumen die Luft zugeführt bzw. abgesaugt. Bei
diesen Anlagen ist auch eine Wärmerückgewinnung aus der Abluft und eine
Luftvorwärmung bzw. -kühlung durch einen Röhren-Erdabsorber möglich. Ob dies wirtschaftlich ist, müssen individuelle Berechnungen ergeben. Das Passivhaus – Zukunftsmusik?
Neben einer weiteren Steigerung der Wärmedämmung und Luftdichtigkeit und der Bearbeitung der damit verbunden Fragen nach optimalen konstruktiven Lösungen, sind weitere Möglichkeiten zur Reduzierung des Energiebedarfs zu berücksichtigen. Erst bei einem Passivhaus können passive und aktive Solargewinne, Wärmerückgewinnung, Wärmepumpe und andere regenerative Energiequellen zur Raumwärmeversorgung sinnvoll zusammengeführt werden. Um den Baustandard "Passivhaus" auch in Südtirol zu fördern und weiterzuentwickeln, haben sich fachübergreifend Experten/innen im Verein "Netzwerk energieeffizientes Bauen (NEEB)" zusammengeschlossen. Sie bilden sich stetig weiter und stehen ihren Berufskollegen, den Handwerkern und Bauherren zur Information und Unterstützung zur Verfügung. Wärmeerzeugung und Warmwasserversorgung
Grundsätzlich sind alle
Brennstoffe und die dazugehörigen Wärmeerzeugertypen geeignet. Der Wärmebedarf
eines Niedrigenergiehauses ist aber gering und kann sich im Tagesverlauf
schnell ändern. Damit werden eine exakte Dimensionierung des Wärmeerzeugers,
eine effiziente Heizungsregelung und ein "schnelles" Wärmeabgabesystem
(Heizkörper/-flächen) notwendig. Erdgas- und Ölheizungen haben einen
hohen Betriebskomfort. Sollen ökologische
Kriterien erfüllt werden, bietet sich die Nutzung heimischen
Holzes an. Ob als Pellets im Kaminofen, als Scheitholz im Kachelofen oder
als Holzschnitzel im Heizkessel
– es gibt unzählige Varianten.
Wichtig ist die richtige Anpassung an die örtlichen
Gegebenheiten und die gewünschten Betriebsbedingungen. Wie bei der Wärmedämmung,
bestehen für Passivhäuser komplexere Anforderungen an die
Heizungstechnik. Auch hier ist von den Bauherren besonderer Wert auf die
Qualifikation der Planer und Handwerker zu legen. Alle Anstrengungen sind umsonst, wenn man sich nur auf die
Zertifikate der Hersteller verlässt. Die guten Einzelwirkungsgrade der
Heizkessel, Speicher, Heizkörper und Solar-Kollektoren sind dahin, wenn
Fehler in der Installation gemacht werden, oder wenn die Heizleitungen wie
auf dem folgenden Bild aussehen. Nämlich nicht oder nur ungenügend wärmegedämmt
(a). Auch eine falsche Auslegung der Umwälzpumpen (b)
kann immer wieder festgestellt werden. Bei einer Heizzeit von über 5.000
Stunden pro Jahr können wenige Watt Unterschied schon eine Menge Geld
kosten.
Alle Heizungsanlagen können selbstverständlich immer mit
einer Solaranlage zur Brauchwasser-Erwärmung kombiniert werden.
Entgegen anders lautenden Aussagen ist die solare Brauchwasser-Erwärmung allerdings beim besten Willen nicht kostenlos! Die gesamten Investitionen in die Anlage und die laufenden Betriebskosten müssen bei einer Entscheidung berücksichtigt werden und sicherlich ist eine Wirtschaftlichkeit bei einer Großfamilie eher gegeben als bei einem Zwei-Personen-Haushalt. Zusammenfassung Zusammenfassend lassen sich für Niedrigenergiehäuser zehn
Mindest-Bedingungen stellen:
Die Kriterien gelten für den Bau von massiven Häusern ebenso wie für Holzbauten. Für die Planung eines Neubaus sollte das Motto gelten: "Erst den Bedarf senken, dann den Rest-Bedarf intelligent decken". Wichtige Adressen: Amt für Luft und Lärm Tel: 0471-411820 Email: all@provinz.bz.it Amt für Energieeinsparung Tel: 0471-414720 |